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Open Banking – Nahtloser Wechsel von veralteten zu zukunftsfähigen Systemen

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Open Banking – Nahtloser Wechsel von veralteten zu zukunftsfähigen Systemen

Veröffentlicht: 2026/03/10

5 min lesen

Analysten zufolge wird der Open-Banking-Markt bis 2030 ein Volumen von 135,17 Milliarden US-Dollar erreichen – das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 28 %. Open Banking ist längst ein fester Bestandteil moderner Wachstumsstrategien. Doch was treibt die Finanzdienstleistungsbranche neben regulatorischen Entwicklungen und verbesserter Zugänglichkeit konkret dazu an? Im Folgenden erfahren Sie, was Open Banking konkret leistet, wie es technisch funktioniert und warum Drittanbieter dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Was ist Open Banking?

Open Banking bezeichnet ein Finanzdienstleistungsmodell, bei dem Banken und andere Finanzinstitute ausgewählten Drittanbietern – etwa Fintech-Apps – über Programmierschnittstellen (APIs) Zugriff auf ihre Systeme und Kundendaten einräumen. Ziel ist der Übergang von geschlossenen, bankzentrierten Datensilos hin zu einem vernetzten Ökosystem, in dem Daten sicher zwischen Banken, FinTechs und weiteren Anbietern fließen. So lassen sich Funktionen und Dienste realisieren, die im klassischen Bankensystem schlicht nicht möglich wären.

Wie funktioniert Open Banking?

Das Herzstück bilden sichere, zuverlässige APIs. Sie ermöglichen den Datenaustausch zwischen Anbietern, aber nur im Rahmen dessen, was Banken und Kunden vorab ausdrücklich genehmigt haben. Das Prinzip kennt man bereits von Google Maps oder Uber: Eine App erhält bestimmte Berechtigungen – etwa den Standortzugriff –, um einen Dienst wie Navigation oder Mitfahrgelegenheiten bereitzustellen. Im Bankkontext sind zwei Standardberechtigungen besonders relevant:

  • Abruf von Kontoinformationen (Kontostände, Transaktionen, Kontodaten)
  • Auslösung von Zahlungen direkt vom Konto: zum Beispiel beim Online-Einkauf oder bei Überweisungen zwischen Konten

Entscheidend: Jeder Zugriff basiert auf einer Einwilligung. Wer einer App Zugang gewährt, bestimmt selbst, wie weit dieser reicht und wie lange er gilt. Jeder kann diesen Zugang jederzeit entziehen.

In der Praxis funktioniert Open Banking wie eine einwilligungsbasierte Daten- und Zahlungsleitung: Der Kunde autorisiert eine App, die Bank authentifiziert ihn und stellt anschließend definierte Daten oder Zahlungsfunktionen per API bereit – gesichert durch Tokens statt Passwörter. Tokens sind digitale Platzhalter, die reale Bankdaten stellvertretend repräsentieren – sicher, anonym und ohne schützenswerte Informationen preiszugeben. So verbinden sich Drittanbieter in Echtzeit direkt mit der Bank – ohne Screen Scraping oder manuelle Daten-Uploads.

Wie authentifizieren Banken Drittanbieter-Apps?

Bevor Zugriffstoken ausgegeben werden, prüfen Banken Drittanbieter (TPPs) auf zwei Ebenen: Sie verlangen eine behördliche Registrierung sowie eine technische Identifizierung per digitaler Zertifikate – häufig QWAC/QSealC – in Kombination mit gegenseitigem TLS und OAuth2/OpenID Connect. Der Zugang zu den Open-Banking-APIs einer Bank bleibt ausschließlich geprüften Organisationen vorbehalten, die gültige kryptografische Nachweise vorweisen können.

Zwei Authentifizierungsebenen

Zunächst erfolgt die organisatorische Prüfung: Die Bank stellt fest, ob der App-Betreiber ein lizenzierter, bei einer Regulierungsbehörde oder einem Schema-Directory registrierter TPP ist. Bei jeder neuen Verbindung muss der TPP zusätzlich seine technische Identität belegen – über Zertifikate, OAuth2 und gegenseitiges TLS.

Zertifikate und Registrierung

Im Rahmen der europäischen PSD2 erhalten TPPs qualifizierte eIDAS-Zertifikate: QWAC für die TLS-Authentifizierung und häufig QSealC für Signaturanforderungen. Beide verschlüsseln regulierte Rollen und Berechtigungen des Anbieters. Banken (ASPSPs) validieren diese Zertifikate anhand vertrauenswürdiger Stellen und PSD2-Verzeichnisse, um Identität und Rollen des TPP – etwa AIS oder PIS – zu bestätigen, bevor API-Verkehr akzeptiert wird.

API-Aufrufe und Tokens

Ruft eine App die API einer Bank auf, baut sie zunächst eine gegenseitige TLS-Sitzung unter Verwendung ihres QWAC- oder eines anderen Client-Zertifikats auf. So kann die Bank kryptografisch verifizieren, von welchem TPP die Verbindungsanfrage stammt. Zusätzlich authentifiziert sich der TPP als OAuth2-Client – häufig mit mTLS-gebundenen Zugangsdaten –, um Zugriffstoken zu erhalten. HTTP-Anfragen können mit dem QSealC signiert werden, sodass die Bank nachvollziehen kann, welcher TPP welche Anfrage gestellt hat.

Token und fortlaufender Zugriff

Der Zugriff auf Kundenkonten erfolgt ausschließlich über kurzlebige, im Umfang begrenzte Token, die an den authentifizierten Client gebunden sind. In modernen Profilen wie FAPI sind sie kryptografisch an die TLS-Sitzung oder einen Proof-Key (DPoP) geknüpft – ein wirksamer Schutz gegen Token-Diebstahl und Replay-Angriffe. Läuft ein Zertifikat ab, wird es widerrufen oder verliert ein TPP seinen regulatorischen Status, blockiert die Bank sämtliche TLS- und Token-Anfragen – selbst wenn noch alte Token vorhanden sind.

Regionale Unterschiede

Die PSD2 schreibt in Europa ausdrücklich die Nutzung von QWAC/QSealC und eIDAS vor. Andere Regionen setzen auf vergleichbare Modelle mit schema- oder CA-ausgestellten Client-Zertifikaten sowie OAuth2/OpenID-Connect-Sicherheitsprofilen wie FAPI. Die genauen Zertifikatstypen und Verzeichnisse variieren – das Grundprinzip bleibt jedoch dasselbe: Nur vorab geprüfte, zertifizierte Apps erhalten Zugang.

Vorteile und Anwendungsfälle von Open Banking in der Praxis

Für Kunden schafft Open Banking mehr Transparenz: alle Konten auf einen Blick, personalisierte Produkte und oft günstigere oder komfortablere Zahlungswege. Für Banken und FinTechs entstehen neue Geschäftsmodelle und Kooperationsmöglichkeiten. Die Kundengewinnung wird schneller, die Verifizierung unkomplizierter. Und in Bereichen wie Zahlungsverkehr oder Anlageberatung entstehen völlig neue Innovationsfelder – inklusive frischer Einnahmequellen.

Typische Anwendungsfälle in der Praxis:

  • Finanz- und Budgetierungs-Apps, die Konten mehrerer Banken bündeln und Ausgaben automatisch kategorisieren
  • Schnellere Konto-zu-Konto-Zahlungen beim Online-Checkout – ohne Karte, direkt über die Zahlungs-API der Bank

Intelligentere Kreditvergabe und Bonitätsbewertung auf Basis realer Transaktionsdaten und Cashflows statt ausschließlich traditioneller Kreditauskunftei-Daten.

Risiken und Herausforderungen des Open Banking

Untersuchungen zeigen zwar, dass die Betrugsraten beim Open Banking unter dem Branchendurchschnitt liegen – 0,013 % gegenüber 0,045 % –, dennoch müssen Sicherheit und Datenschutz oberste Priorität haben. Da mehr Parteien Zugriff auf Finanzdaten erhalten, stellen sich unweigerlich Fragen nach Verantwortlichkeiten und Haftung im Schadensfall. Regulierung und robuste Sicherheitskontrollen sind daher unverzichtbar.

Weitere Herausforderungen betreffen die API-Standardisierung, das Vertrauen der Kunden und eine verständliche, nicht in langen AGB versteckte Einwilligungsgestaltung. Zu den größten Risiken zählen Datenverstöße und -lecks, Phishing sowie DoS-Angriffe. Hinzu kommt der Missbrauch durch TPPs – etwa durch zweckfremde Datennutzung. Und das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit, wenn Unternehmen oder Kunden zu stark auf einen einzigen Anbieter setzen.

Für Banken und Finanzinstitute überwiegen die Chancen des Open Banking die Risiken bei weitem – vorausgesetzt, man arbeitet mit dem richtigen Technologiepartner zusammen. Genau deshalb vertrauen Unternehmen auf Software Mind. Mit über 25 Jahren Erfahrung entwickelt unser Team Lösungen, die technische Präzision und unternehmerische Ziele in Einklang bringen – mit nachweisbarem Effekt auf Ihr Geschäft. Füllen Sie das Kontaktformular aus und erfahren Sie, wie wir Ihre Wachstumsstrategie gezielt unterstützen können.

FAQ

Was ist Open Banking?

Open Banking ist ein Finanzdienstleistungsmodell, bei dem Banken und andere Finanzinstitute ausgewählten Drittanbietern – wie Fintech-Apps – über Programmierschnittstellen (APIs) Zugriff auf ihre Systeme und Kundendaten gewähren.

Was sind die Vorteile von Open Banking?

Kunden profitieren von einer sicheren App-Integration, schnelleren und unkomplizierteren Zahlungen sowie personalisierten Finanzangeboten. Unternehmen hingegen optimieren ihre Abläufe, senken Kosten und nutzen Echtzeit-Datenaustausch für fundiertere Entscheidungen.

Gibt es Risiken beim Open Banking?

Wie bei den meisten Technologien existieren Risiken. Diese betreffen vor allem den Datenschutz. Datenlecks, Hackerangriffe oder Sicherheitslücken bei Drittanbietern bleiben relevante Gefahrenquellen, die es aktiv zu managen gilt.

Wie lässt sich Open Banking sicher gestalten?

Neben klaren internen Richtlinien und Governance-Strukturen lässt sich Open Banking durch starke Authentifizierungsverfahren (MFA, Biometrie), API-Sicherheit (OAuth2.0, TLS-Verschlüsselung) sowie die Einhaltung branchen- und regionalspezifischer Vorschriften absichern.

Welche Rolle spielen APIs beim Open Banking?

APIs bilden das technische Rückgrat des Open Banking: Sie schaffen standardisierte, sichere Verbindungen, über die Banken Kundendaten kontrolliert an Drittanbieter weitergeben und ermöglichen so den Abruf von Kontoständen ebenso wie die Ausführung von Zahlungen.

 

Über den AutorJakub Dymek

Software Delivery Director

Delivery Director mit langjähriger Erfahrung in der Finanzbranche. Experte für Projektmanagement, Führung und Softwareentwicklung. Mit seinem Hintergrund in Betriebswirtschaft und Design leitet er erfolgreich Teams und Projekte bei Software Mind.

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